Dienstag, 2. September 2008

Radausflug in die Vorberge

Liegnitzer Tageblatt vom 22. Mai 1937

Bei schönstem Maienwetter fuhren wir die Goldberger Kunststraße hinaus. Unzählige Radfahrer waren unterwegs, Kraftwagen und Motorradfahrer überholten uns. Durch das Gewitter des Vorabends war die Landschaft staubfrei und die grüne Saat dem Auge eine Wohltat. Bald erreichten wir die Überführung der Reichsautobahn und sahen dem eiligen Kraftverkehr zu. Ein wenig Neid stieg in uns auf. Hoffentlich haben wir auch

später solche Radfahrwage.

Wir sehen den Gröditzberg, Probsthainer Spitzberg, Wolfsberg und den Willmannsdorfer Hochberg in der Ferne. Hin und wieder trafen wir auch einen Schlauch flickenden Radfahrer...

Nachdem wir das Gefälle der Liegnitzer Höhe ausgenutzt hatten, grüßte uns bald die neue Siedlung am Bürgerberg. Auf Schusters Rappen wurde Goldberg durchquert. Nach der Abfahrt durch Seiffenau fuhren wir nun

im Katzbachtal über Neuländel nach Neukirch.

Hier ließen Bläser Kirchenlieder vom Kirchturm erklingen, und die Kirchgänger lauschten diesen frommen Tönen. Bald war unser Ziel erreicht. Kurz vor der Haltestelle Willenberg überquert unser Weg links eine Holzbrücke über die Katzbach. Hier stellten wir unsere Stahlrösser ein und begannen den

Aufstieg zum Willenberg

auf bequemem Wege. Der 369 Meter hohe Berg bot wundervolle Aussicht. Unter uns lag wie ein Teppich das Katzbachtal mit dem schmalen Silberband der Katzbach. Röversdorf, Schönau, Hohenliebenthal und der Kamm des oberen Katzbachgebirges boten sich unserem Blick. Im Hintergrunde grüßte majestätisch die Schneekoppe. Man konnte noch Schneeflächen erkennen. Im Westen sahen wir die Falkenhainer Berge und den Probsthainer Spitzberg, im Norden die Hölle, durch die gerade das „Bähnle“ gefahren kam, und den Wolfsberg.

Als wir uns sattgesehen hatten, wurde der

Jugendherberge

auf dem Berge ein Besuch abgestattet, die voll belegt war. Dann hatten wir unsere helle Freude an den „Erinnerungsstücken“ an den Raubritter Dittrich und den vielen humorvollen Sprüchen und Tafeln. Die Heimfahrt auf demselben Wege mußten wir einige Male unterbrechen. Regenschauer überraschten uns. Trocken und gestärkt für neue Fahrten erreichten wir Liegnitz wieder.

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